"Ich schau kurz aufs Handy" wird zu einer Stunde. "Das dauert doch nur fünf Minuten" wird zu vierzig. Wer das bei sich selbst beobachtet und trotzdem pünktlich sein will, hört oft nur "dann plan halt besser" — als wäre das Problem mangelnde Planung. Tatsächlich hat Zeitblindheit eine ganz eigene Ursache, die mit Willenskraft wenig zu tun hat.
Zeitblindheit beschreibt die Schwierigkeit, verstrichene oder verbleibende Zeit intuitiv einzuschätzen — nicht aus Unachtsamkeit, sondern weil das interne "Zeitgefühl" bei ADHS anders funktioniert. Fünf Minuten und vierzig Minuten fühlen sich in einer fokussierten Aktivität ähnlich kurz an, wodurch Schätzungen systematisch danebenliegen, nicht zufällig.
Eine Uhr zeigt die Zeit — sie zwingt aber niemanden, regelmäßig hinzuschauen. Wer im Hyperfokus steckt, checkt die Uhr genauso selten wie das eigene Zeitgefühl funktioniert. Das eigentliche Problem ist nicht der Zugang zur Information, sondern dass die Information während der Aktivität nicht automatisch ins Bewusstsein kommt.
Zeit sichtbar statt nur verfügbar machen. Ein Timer, der aktiv tickt oder eine Balkenanzeige, die schrumpft, wirkt anders als eine Uhr, die man selbst konsultieren muss — die verstreichende Zeit wird passiv wahrgenommen, ohne dass man aktiv daran denken muss.
Pufferzeiten fest einplanen, nicht nur hoffen. Wenn "kurz dusche ich noch" realistisch 20 statt 5 Minuten dauert, hilft es, genau diese 20 Minuten von vornherein einzuplanen, statt bei jedem neuen Termin wieder von der optimistischen Schätzung auszugehen.
Übergänge markieren, nicht nur Endzeiten. "Um 14:00 muss ich losfahren" ist leichter zu verpassen als "um 13:45 höre ich auf, um mich fertigzumachen" — ein zusätzlicher Wecker fürs Loslassen der aktuellen Aufgabe, nicht nur für den eigentlichen Termin.
Wer über ein bis zwei Wochen notiert, wie lange Dinge tatsächlich dauern (nicht wie lange man dachte), bekommt oft die erste ehrliche Grundlage für realistische Zeitschätzungen — Zeitblindheit lässt sich nicht wegplanen, aber mit echten Daten deutlich besser umgehen.
Focus & Flow bietet dafür das Tageslog mit Zeitblöcken statt Minutenraster — genau grob genug, um Pufferzeiten sichtbar zu machen, ohne in die gleiche Falle unrealistischer Fünf-Minuten-Schätzungen zu laufen. Undatiert, ausfüllbar am Bildschirm oder zum Ausdrucken, A4 und US Letter, 9 Stil-/Farbkombinationen — kostenlos.
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